So wechselte ich die Seiten und wurde ein Schiedsrichter

Wenn dieser Mann auf dem Spielfeld doch alles nur richtig machen würde ..!!!. Ja, die Rede ist vom Schiedsrichter. Jeder, aber auch wirklich jeder, kennt die Regeln besser als dieser besagte Mann oder die betreffende Frau namens "Schiedsrichter". Wer ein Fußballspiel einmal live erlebt hat, der weiß von was hier die Rede ist. Je niedriger die Liga, desto mehr und häufiger wird der "Mann in Schwarz" kritisiert.

Seinerzeit war ich einer der Ersten, der ihn hart kritisierte. Es war ja auch so einfach, seine Entscheidungen in Frage zu stellen. Außerdem konnte man so gut schreien und toben - und meistens reagierte er nicht einmal. Auch wenn das Spiel verloren war: Man(n) war erleichtert, den schließlich hatte Man(n) sich ausgetobt. Außerdem lag die Niederlage auch nicht daran, dass die Mannschaft bis in die frühen Morgenstunden gefeiert hatte.

 


Es lag klar auf der Hand: Es war dieser angeblich Unparteiische, dieser so objektive und neutrale Mann in Schwarz. Kaum zu Hause angekommen, erzählte man der halben Verwandtschaft, dass wir das Spiel eigentlich gewonnen hätten – eigentlich, wäre da nicht dieser Schiedsrichter gewesen..

Es war Gottes Wille, und mein Schicksal war besiegelt. Kaum zu glauben: Der besagte Tag sollte über mich tatsächlich hereinbrechen, an dem ich diese schwarzen Geschöpfe verstehen und sie sogar in Schutz nehmen würde. Wieder war es meine Liebe zum Fußball. Für den Erwerb der Trainer B-Lizenz musste ich nicht nur die Fußballregeln kennen- nein ich musste mich als Schiedrichter ausweisen. So beschloss ich kurzerhand und mutig, ein Schiri zu werden. Ich machte zahlreiche und bemerkenswerte Erfahrungen, über die ich wohl etliche Bücher schreiben könnte. Es ist mir nie gelungen, ein Spiel ohne Proteste zu leiten. Das wird vermutlich aber auch keinem Schiedrichter gelingen.

Es ist eben ein Schiri-Syndrom. Ja, manchmal kann man wirklich froh sein, wenn man den Platz wieder so verlassen kann, wie man ihn zu Beginn des Spiels betreten hatte. Beleidigunge stehen beinahe an der Tagesordnung.

Aber was wäre wohl, wenn es keine Schiedsrichter gäbe? Wenn die ganzen Entscheidungen von den Trainern und all den Zuschauern oder sogar von den Spielern käme? Wenn ich überlege, heißt diese Sportart doch Kickboxen- oder nicht?

Ich war von 1996 bis 2002 als Schiedsrichter aktiv. Allerdings kann man nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen. Deshalb bin ich jetzt nur noch Trainer wünsche aber allen ehemaligen Kolleginen und Kollegen weiterhin viel Erfolg und vor allem viel Geduld.

 

Vor der Geschäftstelle von SG BP Bayer Köln Worringen

Sommer 2002

 

Bei der jährlichen Ortsturnier von SG BP Bayer Worringen.

Sommer 2002

 

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